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Gleb Konstantinovitsch Mikhajlov (24.02.1929 - 18.03.2021)

Prof. Dr. Gleb K. Mikhajlov wurde am 24. Februar 1929 in Tiflis geboren. Nach einem naturwissen­schaftlichen Studium wurde er Professor für Mechanik in Moskau. Er war von 1956 bis 2011 General­sekretär des Nationalkomitees Russlands für Mechanik. Seit den 1950er Jahren interessierte er sich zunehmend für die Geschichte der Mechanik, der Genealogie und insbesondere für Leonhard Euler. Bald darauf war er in der russischen Euler-Forschung tätig und publizierte 1959 als einer der ersten Wissenschaftshistoriker über Eulers unpublizierte Manuskripte.  Sodann bearbeitete  er diese seit  den frühen 1960er Jahren systematisch und übersetzte einige davon aus dem Lateinischen ins Russische und Deutsche.

Er begann 1965 mit der Herausgabe der Manuscripta Euleriana Archivi Academiae Scientiarum URSS, wobei vor allem der Band II, „Opera mechanica“, Vol. 1, noch heute von grosser Bedeutung ist. Sein Interesse an der Geschichte der Mechanik und Hydrodynamik zeigte sich vor allem in der 2002 herausgegebenen „Hydrodynamica“ von Daniel Bernoulli, die als Band 5 im Rahmen der gesammelten Werke der Familie Bernoulli erschien. Seit 1984 war er korrespondieren­des und seit 2005 ordentliches  Mitglied der Académie Internationle d’Histoire des Sciences sowie Mitglied des Redaktionskomitees der Series IVA der Euler-Kommission der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT).

Zusammen mit seinem Freund und leider ebenfalls bereits verstorbenen Euler-Forscher, Dr. Emil A. Fellmann (17.09.1927–18.05.2012), bearbeitete er seit 1986 die Series IVA der Leonhardi Euleri Opera Omnia, welche den umfangreichen Briefwechsel Eulers enthält. Von 1986 bis 2006 arbeiteten sie zusammen an den Bänden 2 und 3 der Series IVA, die vor allem die wissenschaftlichen Briefwechsel zwischen Euler und Johann I Bernoulli sowie Daniel I Bernoulli umfassen.

Glebs Kontakte und Beziehungen zum Russischen Archiv in St. Petersburg und somit zu den Originalmanuskripten und Briefen von Euler waren für die Euler-und Bernoulli-Editionen von entscheidender Bedeutung. Seine Beiträge zu diesen beiden Editionen leistete Gleb oft in Form von Forschungsaufenthalten in Basel. Zum 300-Jahr-Jubiläum der Gründung von St. Petersburg im Jahr 2003 begleitete Gleb die offizielle wissenschaftliche Schweizer-Delegation, an der auch meine Wenigkeit teilnehmen durfte, durch St. Petersburg und führte diese zu historischen Orten, die mit Euler in Verbindung stehen und zu denen das gemeine Publikum sonst keinen Zugang hat. Und schliesslich war er es, der es ermöglicht hatte und dem ich es somit zu verdanken habe, dass ich in meiner Habilitationsschrift Abbildungen aus Eulers Originalmanuskripten publizieren durfte. Dafür und für seine wertvollen Leistungen wird ihm die Bernoulli-Euler-Kommission immer dankbar sein, und ich werde ihn stets in guter Erinnerung behalten.

Andreas Verdun